VEDHARMA

Institut für vedische Lebensweise

Der Geist des Veda PDF Drucken E-Mail
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"König des Weltalls, Beherrscher des Yoga!Dir, dem Offenbarer der Weisheit, zum Gruß,

ist diese Lehre der Daseinserkenntnis zum Besten derjenigen, welche nach Freiheit streben, dargelegt worden."

Es ist sicherlich verständlich, dass der westliche Sucher nach Wahrheit und Erkenntnis nur schwer den einfachen Zugang zu der vedischen Daseinserkenntnislehre findet. Es ist aber auch nicht zu erwarten, dass die Bücher der altindischen Lehren, Yoga Vasishta, Yogasutras, Bhagavad Gita, Upanishaden, Brihat Parashara Hora Shastra, Rig Veda und vergleichbare Werke, welche die Brahmanen von Kindesalter bis zum Lebensende täglich lesen, studieren und im allgegenwärtigen Umgang damit ihren Geist in sich aufzunehmen bemüht sind, einem westlichen Menschen schon auf den ersten Blick begreifbar sein könnten. Wir kennen allenfalls oberflächlich Begriffe wie Yoga, Ayurveda oder Vaastu (Sthapatya-Veda)


Je tiefer man dieses Wissen reflektiert und in subtilere Ebenen der Erkenntnis vordringt, um so mehr verschmelzt man mit ihm. Je mehr Denkarbeit im Ergründen der Zusammenhänge dieser Wahrheiten stattfindet, um so klarer begreift man sie und durchtränkt seinen Geist damit. Hat man die darin enthaltene Essenz des Wissens begriffen, so ist auch die  Erkenntnis die Konsequenz. Je tiefer die Ebenen des Bewusstseins durch Meditation erforscht werden, je mehr entfaltet sich reines Bewusstsein, welches als das Heim allen Wissens bezeichnet wird.

"Wissen, Veda, ist strukturiert im Bewusstsein."

Dann entsteht Erkenntnis, Klarheit und Wahrheit die in der Lage ist, die Probleme der heutigen Zeit zu lösen, vor denen die westlichen Wissenschaftler und Gelehrten wie gelähmt stehen und nach Lösungsmondellen suchen. Angestrengt über die schwierigen Probleme der globalen Herausforderungen  nachzudenken, ist ein aussichtsloses Unterfangen, wenn der Geist nicht erfüllt ist von göttlicher Selbsterkenntnis. Erst dann erklären sich die schwierigsten Probleme von selbst.

Die in den vedischen Texten und Lehren enthaltenen fremdartig klingende Wörter und Geschichten, sind in der vedischen Wissenschaft genauso zu sehen, wie in jeder modernen Wissenschaft, Forschung oder Lehre. Wer Physik, Quantenphysik, Medizin, Chemie oder Geometrie studieren will, muss sich mit den dabei gebräuchlichen Fachausdrücken vertraut machen, weil es keine anderen genauer  passen dafür gibt.

Würde man die Brücken des Ignorierens einmal überschreiten können, stellt sich immer noch die Frage nach der sprachlichen Übersetzung unterschiedlicher Sprachmodelle oder wie in der vedischen Wissenschaft oder der indischen Astrologie, als Beispiel natürlich, auch die Übersetzung aus der Sanskritsprache. So wurde vieles ins Hindi und später ins Englische Übersetzt. Wenige Texte gibt es in Deutsch und diese sind häufig aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt worden.

Wer beherrscht schon Sanskrit ausreichend. Eine Sprache die nicht einfach zu übersetzen ist, da ein Wort nicht einfach nur als Wort übersetzt werden kann, sondern das Wort an sich schon einen Inhalt, ein Bild, eine Form innehält. So werden in Sanskrit Wortzusammensetzungen gebildet, die aufgrund der Sprachregeln (Sandhis, siehe Sandhisregeln S. 310 im Sanskrit Kompendium von U. Stiehl) ganze Sätze, ja ganze Geschichten in einem Wort ausdrücken können.

So können wir das Wort:

„Nachdemderniederdonaudeltadampfschiffahrtsgesellschaftskapitämitseinemschiffamdonauuferangelegthatteließerdiepassagiereaussteigen“

als ein Beispiel für solche Wortzusammensetzungen nehmen.

Der Versuch ist es wert, dass Wort einmal flüssig und ohne Stocken zu lesen. Obwohl es sich um aneinander gereihte Worte handelt, die wir in unserer Sprache kennen, fällt es nicht leicht. So ist es auch mit dem Übersetzen von komplexen Sanskrittexten, denn das Problem liegt nicht nur darin, die entsprechenden Wortgrenzen im Textfluss herauszufinden oder zu lokalisieren, sondern auch die Zusammensetzungen richtig zu analysieren, die Verben zu erkennen, und dem Ergebnis einen Sinn im Kontext unserer Sprache, Kultur und Denkmodell zu geben. Ganz zu schweigen davon, dass die sprachliche Betonung der einzelnen Wörter eine enorme Wichtigkeit haben, bei der schnell ein ganz anderer Sinn entstehen kann. Wir dürfen nicht vergessen, dass Sanskrit eine uralte ehemals nur gesprochene Sprache ist und eher gesungen als gesprochen wurde. Eine Klangsprache, bei der Klänge, Tonalität und Wirkungen der Klänge eine enorme Rolle spielte. So kann aus der Verschmelzung von Anfangsvokalen und ähnlichen Endvokalen in der Aussprache ein vollkommen neues Verständnisbild mit unterschiedlichsten Mehrdeutungen entstehen. Grundlage für unendlich viele Missverständnisse. Wie wollen wir etwas übersetzen, was wir nicht verstanden haben?

Genauso verhält es sich mit der Schwierigkeit der Übersetzung der astrologischen Wissenschaft in das Verständnisbild der westlichen Wissenschaft. Erkennen und akzeptieren müssen wir auch, dass die europäischen Sprachen nicht neutral sind, sonder aus einer andren metaphysischen, kulturellen und religiösen Tradition entstanden sind. Auf diesen Traditionen bauen die Denkgebäude auf, die in unserer westlichen Welt gelebt werden. So sind die Denktraditionen des alten Indiens, die in den überlieferten Texten festgehalten wurden, ganz anders als die Denktraditionen des Europäers.

Was heißt es denn, in einer Denktradition zu stehen? Normalerweise bedeutet es, so zu denken, wie man denkt, nicht anders denken zu können, weil man vieles übernimmt, ohne es individuell noch einmal zu überprüfen. Es ist einfach nicht möglich, fieberhaft allen Informationen, die uns zu Ohren kommen, nachzugehen, um sie zu kontrollieren. Nun gibt es allerdings einen Unterschied zwischen einer Philosophie und einer Denktradition. Die hauptsächliche Funktion einer Philosophie besteht weniger darin, eine eigene Denktradition zu schaffen, die dann in einem Lehrbuch ver-breitet werden kann, als vielmehr darin, falsche Konzepte aufzudecken und zu pulverisieren. Darauf hat der französische Philosoph Clèment Rosset hingewiesen. Rosset schreibt: „Die hauptsächliche Bedeutung einer philosophischen Wahrheit besteht jedoch in ihrer negativen Wirkung, d.h. in der Macht, Ideen zu vertreiben, die noch unzutreffender sind als die Wahrheit, die sie a contario ausspricht."-

Als kleine Bestätigung dieser Ansicht verweise ich auf ein philosophisches "Wörterbuch, das von Georg! Schischkoff herausgegeben wurde. Dort lesen wir unter dem Stichwort ,Wirklichkeit' unter anderem folgenden Satz:

„Ein mit der Fingerspitze berührter oder gar mit der Hand umschlossener Gegenstand vermittelt uns in einzigartiger Weise die Gewissheit, es mit etwas Wirklichem zu tun zu haben."

Dieser Satz ist recht banal. Es ist nicht leicht zu verstehen, warum er in einem philosophischen Wörterbuch Platz gefunden hat. Die einzige Erklärung für seine Existenzberechtigung, die ich mir vorstellen kann, ist: die traditionelle Substanzmetaphysik hat die Wirklichkeit eines Gegenstandes geleugnet, weil sie die Welt, in der wir leben, für eine Illusion, Täuschung (Maya) oder für einen Schatten erklärt hat, für etwas Nichtwirkliches oder etwas Abgeleitetes. Dann kann die simple Gewissheit der sinnlichen Wahrnehmung eines Gegenstandes viele philosophische Konzepte in ihrer Ungewissheit pulverisieren.

Wer den Film „What the Bleeb do we (k)now) gesehen hat und die Inhalte ein wenig reflektiert hat, wird das erkennen.

„Wir entwickeln Modelle von unserer Ansicht der äußeren Welt. Je mehr Informationen wir haben, umso mehr verfeinern wir unser Modell. Dann erzählen wir uns eine Geschichte über das, was die äußere Welt ist.“ Daniel Monti. M.D.

„Auf die Frage, ob wir einfach nur in einem großen Holodeck leben oder nicht, haben wir nicht unbedingt eine gute Antwort. Was die Wissenschaft über unsere Welt sagen kann, ist ein großes philosophisches Problem, weil wir in der Wissenschaft immer Beobachter sind.“ Dr Anrew Newberg. Ph.D

Meiner Meinung nach ist offenes wissenschaftliches Denken nötig, um den Glauben von Irrtümern zu bewahren. Andererseits ist die metaphysische, philosophische, spirituelle Erfahrung und Analyse wichtig, um die Wissenschaft vor der Ideologie zu bewahren. Sie nähert sich durch einzelne Vertreter, die sich die Wissenschaft zum Diener eigener Interessen gemacht hat, einem Instrument der Ignoranz. Oft fehlt die Liebe zur Wahrheit oder Weisheit. Das wird durch dogmatische Weltbilder einseitige Argumentationen ersetzt.

Deshalb sind die Übesetzungen und Interpretationen der vedischen Lehren und Texte auch nicht als Unterhaltungslektüre geschrieben, sondern nur für diejenigen gedacht, die ernsthaft nach Selbsterkenntis trachten.



„Echtes Wissen (veda) umfasst materielles und spirituelles Wissen (jñana-viñjana). Wenn du es verstanden hast, wird es für dich nichts mehr Weiteres zu erkennen geben.“ – Bhagavad-Gita 7.2

 

 

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